In einem aktuellen gemeinsamen Positionspapier befürworten der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), sowie die Umweltorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und World Wide Fund For Nature (WWF) die Integration der unterirdischen CO2-Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) in die umfangreiche Klimastrategie. Diese technische Maßnahme, die als Ergänzung zur Förderung intakter Ökosysteme als natürliche Kohlenstoffsenken dient, wird auch für die Anwendung in Deutschland vorgeschlagen.
„Als Geologe begrüße ich die gemeinsame Position der Verbände zu den CCS-Technologien. Ich halte ihre Umsetzung für sinnvoll und machbar“, sagt Professor Christoph Hilgers vom Institut für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT. „Es gibt viele industrielle Prozesse, bei denen es sich nicht vermeiden lässt, dass CO2 entsteht – wie etwa bei der Zementherstellung. Das CO2 kann durch technische Verfahren abgetrennt und über eine Transportinfrastruktur in den Untergrund eingebracht werden. Dort kann es dauerhaft gespeichert werden.“
Bereits in den 1970er-Jahren wurde in den USA die technische Umsetzbarkeit von CCS erfolgreich bewiesen. In Norwegen ist CCS schon in der praktischen Anwendung, wo jährlich etwa eine Million Tonnen CO2 unterirdisch gespeichert werden. Im Gegensatz dazu besteht in Deutschland nach wie vor ein faktisches Verbot dieser Technologie. „Wissenschaftlich ist das Moratorium nicht gut begründet“, argumentiert Hilgers. „Wir verfügen in Deutschland prinzipiell über große Gesteinsvolumina, in denen das Speichern von CO2 langfristig möglich ist. Dabei wird das CO2 durch Druck verflüssigt und ab etwa einem Kilometer Tiefe gespeichert. Dort verhält es sich dann wie eine Flüssigkeit und neigt dazu, im Untergrund zu bleiben. Wo CCS sicher möglich ist, hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bereits Anfang des Jahrtausends umfassend untersucht.“
Hilgers hebt hervor, dass potenzielle Risiken berücksichtigt werden müssen. Dazu zählt beispielsweise die Möglichkeit, dass CO2 durch alte Bohrlöcher an die Oberfläche treten könnte, oder das Risiko, dass CO2 bei bestimmten geologischen Bedingungen aufgrund von Überdruck im Untergrund natürlich entweichen könnte. „Diese Möglichkeit muss vor der Freigabe einer Lagerstätte selbstverständlich umfassend untersucht werden. Dann halte ich das Risiko für überschaubar und begrenzt. Nach Abwägung der Chancen und Risiken halte ich CCS insgesamt für unverzichtbar, um unsere Klimaziele zu erreichen.“