Seit 2013 erfasst das Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart halbjährlich die aktuellen und geplanten Aktivitäten der deutschen Industrie im Bereich Energieeffizienz.
Der Energieeffizienzindex (EEI) wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer IPA, dem TÜV Rheinland sowie weiteren Partnern erstellt. Für den aktuellen Erhebungszeitraum haben sich über 820 Teilnehmer zu den drei Teilindizes geäußert. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem neuen Energieeffizienzgesetz sowie den Brückenstrompreisen in Deutschland.
Die Bedeutung von Energieeffizienz nimmt kontinuierlich zu, wobei der Bedeutungsindex nun historische Höchstwerte erreicht hat. Gleichzeitig steigt der Investitionsindex um 0,75 Punkte auf einen Wert von 1,61. In der vorherigen Erhebung hatte dieser Teilindex mit 0,86 einen historischen Tiefstand erreicht. Aufgrund der derzeit unsicheren Investitionsbedingungen rechnen Unternehmen mit kürzeren Amortisationszeiten für Energieeffizienzmaßnahmen. Etwa 70% der Unternehmen gehen davon aus, dass sich solche Maßnahmen innerhalb von fünf Jahren amortisieren sollten.
Das neue Energieeffizienzgesetz (EnEfG) legt fest, dass Unternehmen mit einem durchschnittlichen Energieverbrauch von mehr als 7,5 Gigawattstunden (GWh) in den letzten drei Jahren verpflichtet sind, ein Energie- oder Umweltmanagementsystem zu implementieren. Etwa 27% der teilnehmenden Unternehmen in der aktuellen Index-Erhebung stehen vor dieser Verpflichtung. Gemeinsam mit den Unternehmen, die einen jährlichen Durchschnittsenergieverbrauch von über 2,5 GWh im gleichen Zeitraum haben, müssen sie innerhalb von drei Jahren konkrete Umsetzungspläne für wirtschaftlich identifizierte Endenergieeinsparmaßnahmen erstellen und veröffentlichen. Die Erhebung zeigt, dass dies für etwa die Hälfte der befragten Unternehmen gilt.
Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, über ausreichende interne Kompetenzen für die Implementierung eines Energiemanagementsystems (EnMS) zu verfügen. Etwa ein Drittel zieht externe Unterstützung heran oder baut eigene Kapazitäten für die Umsetzung auf. Drei Viertel der Befragten befürchten zu hohe Umsetzungskosten, während nahezu ein Drittel der Unternehmen angibt, trotz der damit verbundenen Kosten durch die Einführung von Energiemanagementsystemen Vorteile in der erhöhten Transparenz bezüglich des Energieverbrauchs zu sehen.
Das Gesetz verpflichtet Unternehmen außerdem dazu, Maßnahmen zur Vermeidung oder Nutzung von Abwärme zu ergreifen. Etwa 36% der befragten Unternehmen geben an, solche Maßnahmen bereits anzuwenden oder sich in der Umsetzungsphase zu befinden. Zusätzlich haben 11% der Unternehmen angegeben, das Potenzial zur Nutzung von Abwärme zwar ermittelt, aber noch nicht erschlossen zu haben. Dabei werden häufig Technologien wie Wärmeübertragung, Wärmespeicherung oder Wärmepumpen genannt, wobei die Eigennutzung oft im Vordergrund steht.
Ein gedeckelter Strompreis wird von der Mehrheit der Unternehmen als Möglichkeit erkannt, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Etwa ein Drittel schätzt ein, dass dies dazu beitragen könnte, ihre Produktionskapazitäten aufrechtzuerhalten. Von besonderer Bedeutung ist, dass viele Unternehmen in einem solchen gedeckelten Industriestrompreis einen zusätzlichen Anreiz für nachhaltige Transformationsvorhaben sehen. Beispielsweise könnten geplante Investitionen zur Steigerung der Energieeffizienz nicht aufgeschoben werden, Dekarbonisierungsmaßnahmen könnten intensiviert und Strategien zur Energieautarkie beschleunigt werden.
„Im Verlauf der letzten Erhebungen sehen wir eine immer differenziertere Auseinandersetzung der Unternehmen mit dem Thema Energieeffizienz. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Der regulatorische und bürokratische Bogen darf aber auch nicht überspannt werden. Die Pflicht zur Einführung von Energiesystemen ist hier meines Erachtens an der Grenze,“ so Professor Alexander Sauer, Leiter des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP).