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20.04.2015

ots, Frankfurt am Main

Deutsche Autobauer starten durch

China ändert zusehends seine Rolle für die globale Automobilindustrie. Das Land ist inzwischen der mit Abstand wichtigste Markt und Produktionsstandort: Laut einer Analyse von Autofacts, dem Automotive Forecasting Center von PwC, verdoppelt sich die Zahl der in China hergestellten Fahrzeuge von 16,4 Mio. (2011) auf 31,2 Mio. im Jahr 2021. Allein die deutschen Hersteller erweitern ihre Produktion in China innerhalb der nächsten Jahre um ein weiteres Drittel. „Dabei dürfen sich die Automobilhersteller nicht nur auf die Errichtung von zusätzlichen Werken in China konzentrieren, sondern müssen mittel- bis langfristig weitere Teile ihrer Wertschöpfungskette im Land etablieren, um das Marktpotenzial voll auszuschöpfen und von den Kostenvorteilen zu profitieren", sagt Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC in Deutschland und Europa. "Sicherlich wird der chinesische Staat jene Unternehmen gerne sehen, die weitere Teile ihrer Wertschöpfung für nachhaltiges und qualitatives Wachstum im Land aufbauen. Die Größe des Marktes rechtfertigt solche Überlegungen."


Um auch in Zukunft auf dem extrem wettbewerbsintensiven chinesischen Absatzmarkt erfolgreich zu sein, müssen die Hersteller ihre Strategie weiter anpassen. In den sogenannten Tier-1-Städten, zu denen Metropolen wie Peking oder Shanghai zählen, stößt der Autoabsatz an seine Grenzen. Aufgrund der übermäßigen Luftverschmutzung und des starken Verkehrsaufkommens sind jedoch zunehmend Verkaufsbeschränkungen möglich. Dabei wird sich die Nachfrage voraussichtlich zu höherwertigen Fahrzeugen des Premium- und Luxussegments verlagern. So wird deutlich, dass sich die Produktion von Sports-Utility-Fahrzeugen (SUVs) deutscher Hersteller, die heute rd. eine halben Mio. beträgt, bis 2021 auf über 1 Mio. verdoppelt.


Für die Volumenhersteller ist stattdessen das Potenzial in den Städten aus der zweiten und dritten Reihe (Tier 2 und 3) besonders hoch. Bei diesen Städten, die auch im Zentralbereich und im Westen Chinas angesiedelt sind, steht in den kommenden Jahren jener Aufholprozess an, den die Metropolen schon hinter sich haben. Laut Autofacts-Analyse sind diese Städte in den letzten Jahren am stärksten gewachsen und trugen über 30 % zum Gesamtwachstum des Marktes bei: "In den Tier-2- und Tier-3-Städten finden die Hersteller die besten Absatzchancen. Sie werden in Zukunft der Haupttreiber des chinesischen Marktes sein. Gerade dort gibt es viele Erstkäufer mit Interesse an kleinen und kompakten Fahrzeugen, aber auch an Mittelklasse-Fahrzeugen", so Kuhnert. Der Aufbau entsprechender Vertriebswege in den Tier-2- und Tier-3-Städten zur Erschließung des Absatzes wird immer wichtiger. Auch die Tier-4- und Tier-5-Städte, vergleichsweise weniger entwickelte Städte mit einem niedrigen Lebensstandard, bieten enorme Chancen. Hier wächst ein großer Absatzmarkt für kostengünstige Fahrzeuge.


Dabei verschärft sich der Konkurrenzdruck in China, weil dort nahezu jeder Produzent präsent ist. "Die deutschen Automobilhersteller haben aufgrund ihres breiten Produktportfolios gute Chancen, sich auf dem chinesischen Markt weiter zu behaupten und Marktanteile zu gewinnen", betont Kuhnert. Dabei bietet sich für Volumenhersteller die Chance, ihr Produktportfolio entsprechend der Wünsche der Kunden anzupassen. "Für Premiumhersteller geht es dagegen darum, wie bisher global aufzutreten und sich auch in Zukunft weiterhin als hochwertige Marken zu präsentieren", so Christoph Stürmer, Global Lead Analyst bei PwC Autofacts.


Die deutschen Automobilbauer bauen ihre Produktionskapazitäten in China weiter aus, um den steigenden Bedarf zu decken. So entstehen bis 2017 mindestens vier weitere Werke. Sie werden bis 2021 nach PwC-Berechnungen 30 % ihrer Fahrzeuge in China fertigen - 2011 waren es 20 %. Auch bei den deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes-Benz ist eine ähnliche Entwicklung erkennbar: Lag der Anteil Chinas an ihrer Gesamtproduktion 2011 noch bei 11 Prozent, wird er bis 2021 auf 21 % steigen. Zwischen 2011 und 2021, also in einem Zeitraum von nur zehn Jahren, erweitern die deutschen Premiummarken ihre Produktion in China um über das Doppelte oder rd. 1,1 Mio. Einheiten auf 1,5 Mio. Fahrzeuge. Entsprechend wird der Anteil der Produktion in Deutschland von 68 % auf dann 45 % sinken. Aber auch in Deutschland investieren die Premiumhersteller weiter: sie erhöhen ihre Kapazitäten um 330 000 Einheiten auf 3,3 Mio. Fahrzeuge.


Insgesamt verfolgen die deutschen Automobilhersteller konsequent eine Lokalisierungsstrategie. Sie produzieren in Zukunft vor allem dort, wo sie attraktive Absatzmärkte vorfinden. Dabei belegt China den Spitzenplatz: Dort schaffen sie bis 2021 zusätzliche Kapazitäten für 2 Mio. Einheiten und werden damit insgesamt 6,3 Mio. Fahrzeuge pro Jahr fertigen können. In Deutschland wird der Zuwachs nach PwC-Prognosen lediglich bei 400 000 Einheiten auf knapp 6 Mio. Einheiten liegen. Darüber hinaus erweitern die deutschen Hersteller ihre Kapazitäten an anderen Produktionsstandorten weltweit um 2,6 Mio. Einheiten auf knapp 10 Mio. Fahrzeuge. Nach China liegt Mexiko mit einer Verdoppelung von 540 000 Einheiten auf 1,1 Mio. Einheiten auf dem zweiten Platz. Auf Platz drei der Liste stehen die USA: Hier dürfte die Kapazität um rd. 430 000 Einheiten oder 59 % auf rd. 1,2 Mio. Einheiten steigen.


ots, Frankfurt am Main