Der offizielle Startschuss für das innovative Großprojekt fiel mit der Vertragsunterzeichnung zwischen Phil Limbach, Vorstandsmitglied der Beinbauer Group, und Till Schreiter, CEO von ABP, sowie einem gemeinsamen Baustellenbesuch der Projektteams von Beinbauer Casting und ABP Induction. Die Gießerei Schwerte wird in den kommenden Monaten einen tiefgreifenden technologischen Wandel durchlaufen. Der bestehende Kupolofen wird durch eine moderne, elektrisch betriebene Induktionsschmelzanlage ersetzt – eine Maßnahme, die die CO₂-Emissionen künftig um fast 90 % reduzieren kann.
Eine Welle des Optimismus in Schwerte
Für Beinbauer Casting bedeutet dieses Projekt weit mehr als nur eine technologische Modernisierung. Die neue Elektrogießerei ebnet den Weg für eine nachhaltigere Produktion, erfüllt neue Kundenanforderungen und sichert das langfristige Wachstum des deutschen Werks: „Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen für energieintensive Branchen investieren wir bewusst in moderne und nachhaltige Technologien – zum Wohle der Umwelt, unserer Mitarbeiter und der langfristigen Zukunft des Werks Schwerte“, erklärt Phil Limbach, Mitglied der Geschäftsführung der Beinbauer Gruppe.
Um das Klima zu schützen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, war diese Investition daher eine strategische Entscheidung der Beinbauer Gruppe. Steigende Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette und das zunehmende Interesse von Erstausrüstern an CO₂-armen Komponenten haben den Druck für diese Transformation zuletzt erhöht. Gleichzeitig liegt die Gießerei mitten in der Stadt, was ein zusätzlicher Grund ist, Emissionen und Umweltbelastung deutlich zu reduzieren.
„Der Auftrag der Beinbauer Casting GmbH an die ABP Systems GmbH ist ein starkes Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland und unterstreicht die Entschlossenheit der metallurgischen Industrie, die Dekarbonisierung in Deutschland trotz schwieriger Rahmenbedingungen voranzutreiben“, erklärt Till Schreiter, Geschäftsführer der ABP Induction Systems GmbH. „Beide Unternehmen verbindet eine lange Geschichte vertrauensvoller Zusammenarbeit und kultureller Gemeinsamkeiten. ABP bedankt sich für das in unsere Mitarbeiter und unser technologisches Know-how gesetzte Vertrauen und freut sich auf die erfolgreiche Zusammenarbeit bei diesem Projekt.“
Die Zusammenarbeit begann bereits 2021: Fortschrittliche Entwicklung auf Basis realer Betriebsdaten
Bereits 2021 beauftragte Beinbauer ABP mit einer umfassenden Engineering-Studie. Ziel der Studie war die Entwicklung eines tragfähigen Konzepts, das sowohl die baulichen Gegebenheiten als auch den laufenden Produktionsbetrieb berücksichtigte. Mithilfe der von ABP entwickelten Simulationssoftware ABP Meltshop Designer wurden zahlreiche Varianten simuliert und an die spezifischen Anforderungen des Kunden angepasst.
„Besonderes Augenmerk lag auf der maximalen Flexibilität des zukünftigen Schmelzprozesses“, erklärt Alexander Keller, Leiter Systemvertrieb bei ABP Induction. „Schwankende Absatzmengen, die Wiederverwendung von Schrott und Beschickungsflächen sowie Energieeffizienz spielten dabei eine Schlüsselrolle.“ Auch die Integration bestehender Lageröfen wurde geprüft, um die Investitionskosten zu optimieren. „Die neue elektrische Schmelzanlage ist so konzipiert, dass sie sich optimal an wechselnde Produktionsmengen anpasst. Dadurch entsteht für Beinbauer ein äußerst flexibles und zukunftssicheres System“, erklärt Alexander Keller, der von Anfang an in das Projekt eingebunden war.
Anlagenkapazität und modernste Induktionsschmelztechnik
Die neue Schmelzanlage verfügt über eine Kapazität von 25 Tonnen flüssigem Metall pro Stunde. Um Betriebssicherheit und Flexibilität zu gewährleisten, basiert die Anlage auf zwei unabhängigen Schmelzsystemen mit insgesamt drei Tiegelöfen der Baureihe ABP IFM 7. Die modernen Absaughauben erfüllen die strengsten Anforderungen der TA Luft (Technische Anweisungen zur Luftreinhaltung) und gewährleisten gleichzeitig optimale Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Die Stromversorgung erfolgt über zwei leistungsstarke MF-Umrichter mit je 8.000 kW. Die Anlagentechnik wird durch die digitale Steuerungssoftware Prodapt Enterprise ergänzt, die die Langzeitspeicherung aller relevanten Betriebs- und Produktionsdaten ermöglicht. Die Software ist ein entscheidender Faktor für Effizienz, Prozessstabilität und Rückverfolgbarkeit.
Das Kühlkonzept als bedeutender technischer Fortschritt
Dem neu entwickelten Kühl- und Wärmerückgewinnungskonzept wurde große Aufmerksamkeit gewidmet, wodurch es die moderne elektrische Schmelztechnologie optimal ergänzt. Anstelle der alten Kühlturmlösung, die einen hohen Wartungsaufwand, einen hohen Wasserverbrauch und eine Wasseraufbereitung erforderte, kommen nun Luft-/Wasserkühler mit hocheffizienten, drehzahlgeregelten Ventilatoren zum Einsatz.
Zusätzlich wird jedes der beiden Ofensysteme mit einem weiteren geregelten Zusatz-Wasser-/Wasser-Wärmetauscher ausgestattet, der bis zu 2.000 kW Abwärme speichern kann. Die leistungsbasierte Einrohrregelung ermöglicht eine Rücklauftemperatur von nahezu 80 °C – ein außergewöhnlich hoher Wert, der den Einsatz einer zusätzlichen Wärmepumpe überflüssig macht. Zur Reduzierung des Energieverbrauchs werden alle Pumpstationen mit Frequenzumrichtern ausgestattet.
In das neue Konzept wird auch die Kühlung bestehender Systeme integriert, darunter die ABP-Warmhalte- und Gießöfen sowie die Hydraulikstation in der Formerei. Die auf dem Dach des Gebäudes installierten Kühler erfüllen zudem alle Lärmschutzbestimmungen und gewährleisten so einen emissionsarmen Betrieb mitten in der Stadt.
Nächste Schritte der Transformation von Beinbauer Casting
Bis Ende 2026 sollen die Bau- und Installationsarbeiten abgeschlossen sein. Die Produktion soll Anfang 2027 anlaufen, wenn erstmals flüssiges Eisen aus dem neuen Elektrolichtbogenofen in Schwerte fließt. Beinbauer Casting und ABP Induction setzen mit diesem Projekt ein klares Zeichen: Transformation ist möglich, wenn Mut, Technologie und Zusammenarbeit Hand in Hand gehen.
Nächste Schritte auf dem Weg zu einer CO₂-freundlichen Produktion bei Beinbauer:
- Die Bauarbeiten bei Beinbauer Casting werden voraussichtlich Mitte September 2026 abgeschlossen sein.
- Die Anlieferung der Anlagenkomponenten beginnt Ende September 2026.
- Die Installationsarbeiten werden voraussichtlich Anfang Dezember 2026 abgeschlossen sein.
- Die Inbetriebnahme der Anlage beginnt voraussichtlich Ende November 2026.
- Die Kaltinbetriebnahme der Ofensysteme wird bis zum 23. Dezember 2026 abgeschlossen sein.
- Die Erneuerung der Feuerfestauskleidung und das Sintern der Tiegelöfen erfolgen Anfang 2027.
- Der erste Flüssigmetallguss aus den beiden Ofensystemen ist für die Kalenderwoche 27. März geplant.
- Die Serienproduktion in der neuen Gießerei beginnt Ende Januar 2027.
Über die Beinbauer Group
Mit über 100 Jahren Erfahrung verbindet die Beinbauer Group bewährte Tradition mit modernster Fertigungstechnologie. An fünf Standorten zählt die Unternehmensgruppe zu den führenden Anbietern von Guss- und Bearbeitungslösungen in Europa.
Das Full-Service-Leistungsspektrum reicht von der mechanischen Bearbeitung über Beschichtungen bis hin zur Logistik von Guss- und Schmiedeteilen. Von der Rohteilbeschaffung bis zur Just-in-Time-Lieferung entwickelt die Beinbauer Group maßgeschneiderte Lösungen für hochwertige Bauteile – sowohl in Groß- als auch in Kleinserien.
Qualität und Nachhaltigkeit stehen dabei im Mittelpunkt: Mit Zertifizierungen nach IATF 16949, ISO 50001, ISO 45001, ISO 14001 sowie TISAX erfüllt das Unternehmen höchste Standards und übernimmt Verantwortung für Umwelt und Sicherheit. Strenge Qualitätskontrollen und kontinuierliche Verbesserungsprozesse sichern erstklassige Ergebnisse.
Weitere Informationen über die Beinbauer Group: www.beinbauer-group.de
Über ABP Induction
ABP Induction ist ein führender Anbieter von Induktionsschmelz- und -erwärmungsanlagen, Aftermarket-Dienstleistungen und Digitalisierungslösungen für die weltweite Gießerei-, Schmiede- und Stahlindustrie. ABP verfügt über Vertriebs-, Produktions- und Kundendienststandorte in den USA, Deutschland, Schweden, Mexiko, Thailand, Indien, China und Südafrika. Weitere Informationen über ABP Induction unter www.abpinduction.com.