Nach einem aktuellem Ranking Forschungsinstituts ZEW liegt der Industriestandort Deutschland gerade einmal auf Rang 18 von 21. Diese Platzierung alarmiert, seit 2020 hat Deutschland wieder vier Plätze verloren.
„Unsere Politik macht den Industriestandort zu teuer, zu langsam, zu bürokratisch. Und ist oft einseitig auf Datenschutz und vermeintliche Rechtskonformität ausgelegt“, kritisiert Bernhard Jacobs, Geschäftsführer des Industrieverbandes Blechumformung (IBU).
Der IBU fordert gemeinsam mit dem Industrieverband Massivumformung (IMU), dem Deutschen Schraubenverband (DSV) und dem Verband der Deutschen Federindustrie (VDFI) bessere Bedingungen für mittelständische Unternehmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur so könnte der Industriestandort Deutschland wieder attraktiver und produktiver werden.
Hohe Kosten
Die Industrie ist von hohen Energie-, Arbeits- und Regulierungskosten betroffen, zusätzlich kommen noch Steuern hinzu. Deutschland liegt weit vorne bei Strom- und Gaspreisen, Steuerlast, unternehmerischen Pflichten und Löhnen.
„Wandern die damit benachteiligten Industrieunternehmen ab, sinkt die Qualität in den Lieferketten“, warnt IMU-Geschäftsführer Tobias Hain. „Deshalb muss die Politik die Unternehmen jetzt am Standort halten. Alle Unternehmen!“
Einseitig Strategie
Um die Unternehmen an ihren Standorten zu halten, muss auch tatsächlich eine mittelstandsorientierte Industriestrategie angewendet werden. Denn der Mittelstand – tragende Basis der Industrie – spielt in Berlin neben der Konzernwelt nur eine Nebenrolle.
„Bei der Transformation vermissen wir Ressourcenbewusstsein und Technologieoffenheit“, so DSV-Geschäftsführer Hans Führlbeck.
Auch bei den EU-Politikfeldern zeigt sich dieses Ungleichgewicht, wie auch Michael Hagedorn, Geschäftsführer des VDFI, kritisiert.
„Die Kommission gibt Ziele vor, die faktisch nicht zu erreichen oder administrierbar sind.“
Komplizierte Bürokratie
Die tatsächlichen Investitionsvorhaben werden zudem durch bürokratische Prozesse verkomplizieren und gelähmt. Das ist leider auch bei den Förderleistungen der Fall, wie man vor kurzem an der Energiepreisbremse sehen konnte. Energieintensiv produzierenden Unternehmen müssen zunächst einen Berg von Hürden und Auflagen überwinden, bevor sie auf die Hilfe Zugriff haben.
„Man will alles superkorrekt und klagefest regeln, anstatt schnell und praxisnah zu unterstützen.“, so Hain.
„Konzerne und internationale Unternehmen verlagern und investieren kaum noch in Deutschland, wenn es Standortalternativen gibt. Unsere Bürokratiedichte ist ein Standortkiller“, ergänzt Führlbeck.
Langsame Umsetzung
Neben den bürokratischen Hürden erfolgen auch öffentliche Investitionen im Schneckentempo. Reformen, die Abhilfe schaffen sollen, ziehen sich in die länge und die Infrastruktur verfällt. Marode Brücken, Schienen und Gleise, mangelnde Digitalisierung in Verwaltungen, überkommene Steuersysteme, dümpelnde Bildungsinfrastrukturen – die Liste ist lang.
„Wir weisen Politiker immer wieder auf die drastischen Folgen für den produzierenden Mittelstand hin. Und werden das weiter tun, damit sich endlich etwas bewegt am Industriestandort Deutschland“, erklärt Bernhard Jacobs.