20.12.2013

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Startschuss für erweiterte Gießerei

Der stellvertretende Landrat des Landkreises Landshut, Daniel Sporer, und der 1. Bürgermeister des Marktes Ergolding, Josef Heckner, haben Ende November gemeinsam mit Standortleiter Ralf Hattler sowie weiteren Vertretern des BMW Werks Landshut die Erweiterung der Leichtmetallgießerei offiziell in Betrieb genommen. Pünktlich zum 25-Jährigen Produktionsjubiläum im Jahr 2014 macht die BMW Group die bislang einzige Fertigungsstätte für Leichtmetallguss fit für die Herausforderungen der Zukunft. Rund 100 Millionen Euro wurden dafür investiert.


Die Erweiterung versetzt den Standort in die Lage, den steigenden Bedarf an Leichtmetallgussteilen zu decken, der durch das weltweite Wachstum der BMW Group hervorgerufen wird. Die Produktionskapazität steigt auf rund fünf Mio. Gusskomponenten jährlich – mit einem Gesamtgewicht von 69 000 t. „Diese Investition ist ein klares Bekenntnis der BMW Group zum Standort Landshut sowie zur Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der gesamten Gießereimannschaft“, sagte Standortleiter Ralf Hattler. Mit einem Facharbeiteranteil von über 96 % hätte sich die Technologie längst über die Unternehmensgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Sie gelte als eine der modernsten und innovativsten Fertigungsstätten der gesamten Gießerei-Industrie. „Die Leichtmetallgießerei ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit dem entsprechenden Know-how der Mitarbeiter und weitsichtigen Investitionsentscheidungen über Jahrzehnte hinweg eine Technologieführerschaft erfolgreich behaupten kann“, betonte der Betriebsratsvorsitzende Willibald Löw. Die Erweiterung sei zudem ein weiterer wichtiger Baustein, um den größten Komponentenstandort der BMW Group zukunftsorientiert und wettbewerbsfähig auszurichten. Erst vor Jahresfrist hatte eine neue Schmelzerei den Betrieb aufgenommen. Darüber hinaus fertigt das BMW Werk Landshut als Kompetenzzentrum für Leichtbau und Elektromobilität wichtige Schlüsselkomponenten für die BMW-i-Modelle. Die beiden neuen Produktionshallen befinden sich im nordöstlichen Teil des BMW Werks Landshut, als Anbauten der bestehenden Leichtmetallgießerei. Insgesamt wurden rund 13 000 m2 zusätzliche Produktions- und Logistikflächen geschaffen. In der Druckgussfertigung wird auf drei Ebenen gearbeitet: Im Erdgeschoss sind der Werkzeugbau sowie Anlagen zur mechanischen Bearbeitung beheimatet. Dort kommt unter anderem das hochinnovative Lichtbogendrahtspritzen zur Anwendung. Dieses Verfahren zur Beschichtung der Zylinderlaufbahnen wurde eigens in der Landshuter Leichtmetallgießerei entwickelt. Darüber ist eine Technikebene für die Druckgussmaschinen und Öfen angesiedelt. Wiederum darüber, auf zwölf m Höhe, findet die eigentliche Produktion mit drei Druckgießanlagen, fünf Bearbeitungs- und vier Beschichtungsanlagen statt.

Im neuen Gebäude für die Kernmacherei befinden sich im Erdgeschoss ebenfalls Anlagen zur mechanischen Bearbeitung, darüber hinaus eine Anlage zur Regenerierung des Sands, der beim Gießen benötigt wird. Etwa die Hälfte der Gusskomponenten, die in der Leichtmetallgießerei gefertigt werden, wird mit Hilfe von Sandkernen im sogenannten Kokillengussverfahren gegossen. Dafür kommen täglich rund 120 t Quarzsand zum Einsatz. Der Recyclinganteil liegt bei 90 %. In der Ebene darüber werden die produzierten Sandkerne zum Trocknen zwischengelagert. Wiederum darüber findet die eigentliche Produktion von Sandkernen statt.

Auch in ökologischer Hinsicht setzt die Erweiterung der Leichtmetallgießerei Maßstäbe: Die Fertigungsflächen werden optimal genutzt, der Einsatz von Primärenergie deutlich verringert. Darüber hinaus wird künftig die Wärme aus der gesamten Leichtmetallgießerei in das interne Heißwassernetz eingespeist beziehungsweise zur Stromerzeugung verwendet. Bereits seit 2010 ist die Landshuter Leichtmetallgießerei die einzige Gießereistätte weltweit, in der Sandkerne mit anorganischem Bindemittel verarbeitet werden. Auf diese Weise werden die Emissionen um 98 % reduziert.

Bei der Erweiterung der Leichtmetallgießerei wurde zudem konsequent darauf geachtet, die Produktionsumgebung auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter auszurichten. Dadurch sollen ältere Mitarbeiter möglichst lange leistungsfähig bleiben und jüngere gesund altern können. Konkret wurden beispielsweise Holzböden an einigen Arbeitsplätzen verlegt, die für gelenkschonendes und ermüdungsfreies Stehen und Gehen sorgen. Das Raumklima ist verbessert, da die Sandkerne in der Ebene unterhalb der Produktion getrocknet werden. Aber auch in Sachen Arbeitssicherheit setzt die Leichtmetallgießerei Maßstäbe: Die Logistik ist vertikal organisiert. Die Förderfahrzeuge sind damit von der Produktionsebene räumlich getrennt.

Die BMW Group betreibt seit 1989 am Standort Landshut eine Leichtmetallgießerei. Pro Jahr fertigen ca. 1.500 Mitarbeiter rund fünf Millionen Gusskomponenten aus Aluminium und Magnesium mit einem Gesamtgewicht von rund 69 000 t. Zum Produktionsumfang zählen Motorkomponenten wie Zylinderköpfe oder Kurbelgehäuse, aber auch Karosseriestrukturteile und Fahrwerksteile wie Federbeinstützen, Heckklappenrahmen oder Gussknoten für die Vorder- und Hinterachse. Darüber hinaus stammen auch die Gussteile für das Aluminiumchassis der BMW i Fahrzeuge aus der Landshuter Leichtmetallgießerei.

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