07.01.2014

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Energie, Umwelt und Unfallstatistik

Energiebezogene Themen sowie aktuelle Fragestellungen aus den Bereichen Umweltschutz und Arbeitssicherheit bildeten auch beim vierten Umwelttag der Gießereibranche am 20. November 2013 in Würzburg das Grundgerüst der Vortragsreihe. Dass diese Mischung nach wie vor auf reges Interesse bei den jeweiligen Verantwortlichen in den Gießereien trifft, beweist die rege Teilnahme von Unternehmensvertretern aus dem gesamten Bundesgebiet. Ganz aktuell stehen energiepolitische Aspekte sowie damit zusammenhängende anstehende Entscheidungen u. a. zur Weiterführung von finanziellen Erleichterungen energieintensiver Betriebe im Rahmen des EEG im Fokus vieler Gießereibetriebe.


Der Sprecher der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG), RA Max Schumacher, skizzierte den derzeitigen Stand der Koalitionsverhandlungen hinsichtlich einer zukünftigen Energiepolitik – jedoch unter dem Vorbehalt unvorhersehbarer Änderungen im Prozess der derzeitigen Regierungsbildung. Mit Blick auf die stetig steigende Kostenbelastung, die in einigen Fällen existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann, lautet Schumachers dringender Appell an betroffene Gießereien: „Sprechen Sie Ihre Abgeordneten an! Verdeutlichen Sie, dass es nicht mehr nur 5 vor zwölf ist!“ Denn es könne nicht darauf ankommen, Kostensteigerungen lediglich zu dämpfen, sondern die Kosten müssten deutlich reduziert werden.

Das drohende Verfahren der EU-Kommission zur Überprüfung der EEG-Umlage wurde hinsichtlich seiner Rechtmäßigkeit von den Juristen der Kanzlei Ritter Gent Kollegen genau unter die Lupe genommen. Resümee: Es besteht durchaus die berechtigte Hoffnung, dass einer potenziellen negativen Entscheidung der Kommission erfolgreich mit juristischen Argumenten begegnet werden kann. Dennoch müsste jedes einzelne Unternehmen eine solche Entscheidung beim Europäischen Gerichtshof anfechten; „Sammelklagen“ wären in diesem Fall nicht zulässig. Der Rat des Experten fordert alle Unternehmen, die einen Entlastungsantrag gestellt haben, dazu auf, mit dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BafA) unverzüglich Kontakt aufzunehmen, um so den Bescheid möglichst noch vor der Eröffnung eines Prüfverfahrens zu erhalten.

Dem Thema Energieeffizienz widmete sich unter anderem eine Präsentation zur Finanzierung von Energieeinsparmaßnahmen mittels Contracting. Investitionen werden hierbei aus den Energieverbrauchs- und Kosteneinsparungen refinanziert, ohne dass Unternehmen Eigenmittel bereitstellen müssen.

Weitere Schwerpunktvorträge boten einen Überblick über aktuelle Themen und Projekte im Rahmen der BDG-Verbandsarbeit. Elke Radtke vom Referat Umwelt- und Energiepolitik berichtete insbesondere von den Arbeiten am Branchenleitfaden für die Erstellung eines Ausgangszustandsberichtes im Rahmen der Umsetzung der IED-Richtlinie sowie über erste Ergebnisse der im Herbst gestarteten Umfrage zur Unfallstatistik. Der sich thematisch daran anschließende Vortrag zu dem Tool in der arbeitsschutzbezogenen Präventionsarbeit schlechthin – der Gefährdungsbeurteilung – verwies auf die Bedeutung korrekt erstellter Gefährdungsdokumente aus Sicht einer überwachenden Behörde.

Klaus-Peter Knoll, Leiter Werks- und Anlagenplanung bei CLAAS GUSS, Bielefeld, und Vorsitzender des BDG-Umweltausschusses, informierte über erste praktische Erfahrungen mit dem neuen behördlichen Überwachungsinstrument der Umweltinspektion. Es wird deutlich, wie sehr die regionalen Behörden bei Vorbereitung und Durchführung dieser Inspektionen voneinander abweichen. 'Eine bundeseinheitliche Vorgehensweise wäre durchaus wünschenswert', so Knoll.

Die Teilnehmer zeigten sich mit den Inhalten sehr zufrieden, insbesondere der Praxisbezug vieler Vorträge wurde positiv hervorgehoben.

www.bdguss.de


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